Interview: Webarchivierung und Privatsphäre im Spannungsfeld

Die Presseagentur Pressetext.com hat mich zum Spannungsfeld zwischen dem wissenschaftlichen Anspruch umfangreicher Webarchivierung und dem individuellen Interesse der NutzerInnen nach möglichst ungestörter Privatsphäre befragt. Mein Standpunkt ist diesbezüglich klar: Die Geschichtsforschung des Web muss die Grenzen der individuellen Privatsphäre respektieren, wo immer dies möglich ist.

Das Web bietet Zugriff auf Unmengen privater Kommunikation, wie sie der Geschichtswissenschaft so noch nie zuvor zur Verfügung standen. Es wäre aber ethisch fragwürdig, für künftige Geschichtsschreibung aus diesen Quellen ohne Rücksicht auf private Belange der betroffenen UrheberInnen zitieren zu wollen. Bei Personen der relativen Zeitgeschichte, PolitikerInnen etwa, verhält sich dies anders. Deren Social Media Profile können und sollten ohne weiteres als Quellen Eingang in die Geschichtsforschung finden. Für die große Mehrzahl der „privaten“ NutzerInnen müssen hingegen Forschungsverfahren gewählt werden, die die Privatsphäre berücksichtigen. Dies kann beispielsweise durch Big Data Methoden gelingen, die keine direkten Rückschlüsse auf individuelle Personen zulassen. Das Interview mit Pressetext.com ist in einen Artikel auf Mimikama eingeflossen, den Ihr hier lesen könnt…

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