Open Science

Im Rahmen der Open Access Tage 2013 war ich als Referent zu einer Session eingeladen, die sich dem Umgang mit Forschungsdaten widmete. Ich habe dort neben Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern aus der Perspektive eines Historikers über meine persönlichen Erfahrungen mit Open Access und Open Data berichtet. In jüngster Zeit erfährt dieser Vortrag verstärkte Beachtung, was meinen Eindruck bestärkt, dass in puncto Forschungs- und Wissenschaftskultur insbesbesondere in den auf Small-Science ausgerichteten Geisteswissenschaften seit meinem Vortrag vor vier Jahren nicht viel passiert ist. Der Weg hin zu Open Science und damit verbunden zu Open Data ist in diesen Fächern immer noch weit, von einigen erfreulichen Ausnahmen abgesehen. Kollaboratives Forschen und Publizieren sind für viele Geisteswissenschaften ungewohnt und stehen oftmals den etablierten Prinzipien der innerfachlichen Reputation entgegen.

Spezifische Unterschiede in den akademischen Fachkulturen dürfen bei der Etablierung von Open Science nicht unterschätzt werden. So tun sich etwa Fächer, die überwiegend im Modus der Big-Science arbeiten, mit kollaborativen und transparent gestalteten Forschungs- und Arbeitssettings tendenziell leichter als Small-Science Fächer.

Wir brauchen ein Update des akademischen Systems!
Um Open Science flächendeckend in der Wissenschaft zu etablieren, benötigen wir ein  Update des akademischen Betriebssystems. Die Berufungsordnungen für Professoren, die Arbeitsverträge für wissenschaftliches Personal, die Prüfungsordnungen für Studierende sowie die Gremienstruktur der akademischen Selbstverwaltung stellen aus meiner Sicht jene Quelltexte dar, die wir umschreiben müssen.

Es gibt bereits spannende Beispiele für solche Neuprogrammierungen des akademischen Systems, etwa durch Erprobungsklauseln in einigen Landeshochschulgesetzen. Auch die neuartige Position eines studentischen Vizepräsidenten an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen ist in meinen Augen ein vielverprechender Schritt zur Öffnung der inneruniversitären Entscheidungsprozesse und somit ein Schritt zu Open Science.

Auf der Konferenz Open!2016 der MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft habe ich meine Ideen für das Update des akademischen Systems vorgestellt. Der Vortrag ist hier in kompletter Länge als Video verfügbar: