Webhistorie: 10 Jahre Facebook in Deutschland, und wie StudiVZ dabei auf der Strecke blieb

Heute auf den Tag genau vor 10 Jahren, am 03.03.2008, ging das soziale Netzwerk Facebook mit einer deutschen Version online. Viel ist seitdem passiert auf dem Markt der deutschsprachigen Social Media. Der im November 2005 gestartete Lokalmatador StudiVZ (Anfang 2010 erreichten die VZ-Netzwerke StudiVZ, schülerVZ und meinVZ zusammen 16 Millionen Mitglieder) hat der Konkurrenz durch Facebook nicht lange Paroli bieten können. Im September 2017 meldete das Netzwerk schließlich Insolvenz an, die Augsburger Allgemeine zitierte mich dazu.

Wie kam es zu dieser raschen Niederlage des einst sehr selbstbewussten Startups StudiVZ, durch das in Deutschland ja immerhin eine ganze Generation von Studierenden an die Social Media herangeführt worden ist? Der Deutschen Presse-Agentur dpa gab ich im Februar 2017 ein umfangreiches Interview für einen Artikel über vergessene Online-Dienste. Auch zur Geschichte von StudiVZ wurde ich darin befragt.

dpa: Wieso verlor StudiVZ nach einer Hypephase komplett die Relevanz als Social Network?

Meine Antwort: Bei seinem Start war StudiVZ zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als der Dienst 2005 ans Netz ging, war die Epoche der Social Media soeben angebrochen, deutschsprachige Angebote fehlten aber noch weitgehend. In StudiVZ wurde eine ganze Generation junger Menschen an die Nutzung von Social Media gewöhnt. Dass nach dem Hype dann der tiefe Fall kam, hat seine Gründe wohl nicht zuletzt in der inhaltlich starken und finanzkräftigen Konkurrenz durch Facebook. Dem stetig wachsenden Funktionsumfang des amerikanischen Konkurrenten in Form immer ausgefeilterer Algorithmen und immer neuer integrierter Applikationen konnte StudiVZ nicht viel entgegensetzen.

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