Impulsvortrag: Das Museum in postfaktischer Zeit – ein Appell

In diesem Jahr feiert der Deutsche Museumsbund sein 100jähriges Bestehen. Ein Grund zur Freude einserseits, andererseits an Ansporn nach vorne zu blicken und über zukünftige Herausforderungen nachzudenken. Daher passt es sehr gut, dass die im Mai stattfindende Jubiläumstagung des Museumsbundes unter dem Motto „digital. ökonomisch. relevant. Museen verändern sich!“ steht. Im Rahmen dieser Tagung findet auch ein Ideen-Slam statt, bei dem sechs Ideen zur Zukunft der Museen in jeweils acht Minuten vorgestellt werden. Gemeinsam mit dem Historiker Nils Steffen habe ich eine Idee eingereicht, die erfreulicherweise angenommen wurde. So haben wir nun im Mai die Gelegenheit, unseren Appell zum „Museum in postfaktischer Zeit“ zur Diskussion zu stellen.

Worum geht es uns dabei genau? Es heißt, das postfaktische Zeitalter sei angebrochen. Politische Ereignisse unserer Gegenwart haben das weit verbreitete Weltbild unveräußerlicher, aufgeklärter Werte auf demokratischer Grundlage ins Wanken gebracht. Die (westliche) Welt scheint verunsichert. Die Überzeugung scheint mehr zu gelten als die Fakten.

Wenn dem so ist, was ist die Rolle von Museen in einer solchen Zeit? Wir glauben, Museen müssen offensiv gegen die postfaktischen Irrlehren antreten. Wie schaffen sie das? Indem sie jene Themen und Behauptungen aufgreifen, mit denen die Populisten so erfolgreich spielen. Naturkundliche Museen sollten etwa den Märchen über angebliche Chemtrails, über die vermeintlichen Gefahren von Impfstoffen oder auch den in manchen Kreisen gepflegten Zweifeln an der Evolutionstheorie mit aller argumentativen Kraft entgegentreten. Historische Museen sollten die gefährlichen Geschichtsbilder der Revisionisten offensiv zum Thema machen und anschaulich dekonstruieren. Dabei sind die Möglichkeiten der Museen, durch gutes Storytelling komplexe Zusammenhänge allgemein verständlich und emotional erlebbar zu machen, in postfaktischen Zeiten entscheidender denn je. Aufgabe der Museen sollte sein, die Öffentlichkeit gegenüber falschen Behauptungen und Irrlehren zu sensibilisieren. Die Öffentlichkeit der Museen umfasst dabei nicht nur ihre zahlenden Besucher, sondern auch die sie umgebenden Gemeinwesen – analog wie digital.

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