Auszeichnung: Ludwig-Windthorst-Preis der Stadt Meppen

Der bekannte Zentrumspolitiker und Reichstagsabgeordnete Ludwig Windthorst hätte in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag gefeiert. Obwohl niemals Vorsitzender der katholischen Zentrumsfraktion im Reichstag, war er dennoch deren unangefochtene Führungsfigur und überdies der wohl hartnäckigstige parlamentarische Gegenspieler des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Aufgrund seines selbstbewussten, engagierten und ausgleichenden parlamentarischen Stils gilt Windthorst bis heute als einer der bedeutensten deutschen Parlamentarier. Der Historiker Golo Mann nannte Windthorst gar den „genialsten Parlamentarier, den Deutschland je besaß“.

Um das Andenken an Ludwig Windthorst wach zu halten, hat die Stadt Meppen in diesem Jahr erstmals den Ludwig-Windthorst-Preis verliehen. Ich freue mich sehr, dass ich für einen parlamentsgeschichtlichen Essay über die mikropolitischen Handlungsweisen des Abgeordneten Ludwig Windthorst mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Der mit 2.000 Euro dotierte Preis wurde mir feierlich vom Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen und dem Bürgermeister der Stadt Meppen überreicht.

Mittlerweile erschien der prämierte Essay in dem Sammelband Wie politisch ist der Glaube? Texte zum 200. Geburtstag von Ludwig Windthorst, der im Jahr 2013 von der Ludwig-Windthorst-Stiftung herausgegeben wurde. In Anlehnung an das Zitat Golo Manns fragt der Titel des Essays: Der genialste Parlamentarier, den Deutschland je besaß?
Einen Aspekt, den ich an Windthorsts politischem Erfolg besonders bemerkenswert finde, benenne ich in der kurzen Einleitung des Essays:
Ludwig Windhorst gilt als einer der bedeutendsten Politiker des 19. Jahrhunderts, als größter innenpolitischer Gegenspieler Bismarcks überdies. Was ihn hervorhebt und für unsere heutige Zeit so aktuell macht, ist ein vermeintlich nebensächlicher Aspekt seiner Biographie: Seinen politischen Einfluss und seine Erfolge in der Politik des Deutschen Reiches erlangte Windthorst nicht etwa als Mitglied der Regierung, sondern als Abgeordneter. Dies gelang ihm in einer Zeit, als sich der Parlamentarismus erst im Prozess der Professionalisierung und Institutionalisierung befand. Daher gilt Windthorst als ein Musterbeispiel für selbstbewussten und engagierten Parlamentarismus der frühen Stunde. Seine Geschichte stellt eine Erfolgsgeschichte der repräsentativen Demokratie dar – oder wie es Bundestagspräsident Norbert Lammert formulierte, verkörpert Windthorst wie kaum ein anderer Politiker „die deutsche Parlamentstradition“. Erzählen wir also die Geschichte des Abgeordneten Windthorst, so erzählen wir eine Geschichte, die für unsere repräsentative Demokratie begeistern kann. Der folgende Essay will einen Beitrag dazu leisten.

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